Was ist die Arktis als Reiseregion, und welche Zugänge gibt es?
Die Arktis beginnt geografisch nördlich des Polarkreises bei 66.6° N oder überall dort, wo der Julimittelwert unter 10 °C bleibt, und verteilt sich auf acht Staaten: Kanada, Dänemark mit Grönland, Finnland, Island, Norwegen, Russland, Schweden und die USA. Für Reisende bleiben davon vier praktikable Einstiege: Spitzbergen ab Norwegen, Grönland, die kanadische Arktis und Alaska mit dem angrenzenden Nordkanada.
Russische Arktisziele wie Franz-Josef-Land und die Nordostpassage bleiben auf dieser Seite ausgeklammert. Übrig bleiben vier Routen mit sehr unterschiedlichem Charakter: Spitzbergen ist mit täglichen Linienflügen ab dem norwegischen Festland am einfachsten erreichbar, Grönland verbindet Eisberge mit grönländisch-inuit Kultur, die Kanadische Arktis bietet mit der Nordwestpassage die grösste Distanz und Geschichte, und Alaska erlaubt als einziges der vier Ziele eine Anreise über Land bis an den Arktischen Ozean.
Alle vier Regionen teilen ein Grundproblem: kurze Saison, hohe Kosten und eine Infrastruktur, die für wenige tausend Reisende pro Jahr ausgelegt ist. Der Auyuittuq-Nationalpark auf Baffin Island etwa zählte in der Saison 2022/23 nur 256 Besucherinnen und Besucher – ein Massstab dafür, wie klein der Arktis-Tourismus im Vergleich zu anderen Fernzielen bleibt.
Spitzbergen hat als einzige der vier Regionen keine eigene indigene Bevölkerung: Seit der Kolonisierung durch Bergbaugesellschaften ab 1899 lebt dort eine importierte Belegschaft ohne Ureinwohner. Grönland, die kanadische Arktis und Alaska sind dagegen seit Jahrtausenden von Kalaallit, Inuit und Iñupiat besiedelt, deren Kultur und Landrechte jede Reise dorthin mitbestimmen.
Wie unterscheiden sich die vier Arktis-Routen auf einen Blick?
Spitzbergen ist am günstigsten und am einfachsten erreichbar, eine Nordwestpassage-Kreuzfahrt durch die kanadische Arktis kostet ab 18'495 US-Dollar pro Person (Adventure Canada, Saison 2026) und ist damit die teuerste der vier Routen. Alaska und Nordkanada sind die einzigen Ziele, die sich auch ohne Expeditionsschiff per Mietwagen erreichen lassen.
| Region | Gateway | Verkehrsmittel | Hauptsaison | Preisniveau | Einreise CH/DE/AT |
|---|---|---|---|---|---|
| Spitzbergen (Norwegen) | Longyearbyen (LYR) ab Oslo/Tromsø | Linienflug, Landausflüge, Kleinschiff | 20. April–23. August Mitternachtssonne, 14. November–29. Januar Nordlicht | mittel | visumfrei, für Transit über das norwegische Festland ggf. Schengen-Visum |
| Grönland | Nuuk (NUK) und Ilulissat (JAV) via Kopenhagen oder Reykjavík | Linienflug, Bootstouren, kleine Expeditionsschiffe | Juni bis September | mittel bis hoch | visumfrei, aber kein Schengen-Gebiet |
| Kanadische Arktis | Iqaluit (YFB) ab Ottawa, Resolute Bay als Expeditionsdrehkreuz | Linienflug plus Expeditionsschiff für die Nordwestpassage | Ende August bis Ende September | hoch | eTA, 7 CAD, online |
| Alaska/Nordkanada | Fairbanks (FAI) ab Anchorage, Inuvik (YEV) ab Whitehorse | Mietwagen auf Dalton- bzw. Dempster-/Inuvik–Tuktoyaktuk Highway, sonst Linienflug | Juni bis August für die Fernstrassen, ganzjährig per Flug | mittel | ESTA (USA, rund 40 US-Dollar) bzw. eTA (Kanada) |
Nur Alaska und Nordkanada lassen sich ohne Expeditionsschiff und ohne Charterflug erreichen: Der Dalton Highway führt auf 666 km von Fairbanks bis Deadhorse am Prudhoe-Bay-Ölfeld, die 2017 eröffnete Inuvik–Tuktoyaktuk Highway auf weiteren 138 km bis an die kanadische Arktisküste. Spitzbergen, Grönland und die kanadische Arktis haben ausserhalb ihrer Hauptorte praktisch keine verbindenden Strassen; wer dort mehr sehen will als die Ankunftsstadt, braucht ein Schiff oder einen Charterflug.
Alle Preise sind Richtwerte der genannten Anbieter für die Saison 2026 in US-Dollar, der international üblichen Referenzwährung für Expeditionsreisen; sie schwanken nach Kabinentyp und Buchungszeitpunkt stark.
Quellen: Adventure Canada · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Visit Greenland
Wann ist die beste Reisezeit für welche Arktis-Route?
Mitternachtssonne und Nordlicht schliessen sich gegenseitig aus: Longyearbyen hat Mitternachtssonne vom 20. April bis 23. August, Resolute Bay in der kanadischen Arktis vom 30. April bis 13. August, danach beginnt die Polarnacht. Die Nordwestpassage lässt sich wegen des Meereises nur von Ende August bis Ende September befahren, während Fairbanks in Alaska an mehr als 200 Tagen im Jahr Nordlicht zeigt.
Longyearbyen, Ilulissat, Iqaluit und Anchorage im Jahresverlauf
| Longyearbyen | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Höchstwert °C | -5 | -6 | -8 | -4 | 1 | 6 | 10 | 9 | 5 | 0 | -3 | -5 |
| Tiefstwert °C | -11 | -12 | -15 | -11 | -3 | 3 | 6 | 5 | 1 | -5 | -8 | -11 |
| Niederschlag mm | 61 | 52 | 54 | 42 | 46 | 39 | 59 | 61 | 73 | 67 | 64 | 66 |
| Ilulissat | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Höchstwert °C | -8 | -10 | -8 | -2 | 4 | 9 | 13 | 11 | 5 | 1 | -3 | -6 |
| Tiefstwert °C | -15 | -18 | -16 | -10 | -3 | 2 | 5 | 4 | -0 | -6 | -10 | -12 |
| Niederschlag mm | 20 | 16 | 20 | 26 | 35 | 35 | 39 | 58 | 46 | 42 | 37 | 28 |
| Iqaluit | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Höchstwert °C | -19 | -21 | -16 | -7 | 0 | 8 | 12 | 12 | 7 | 1 | -6 | -12 |
| Tiefstwert °C | -28 | -30 | -26 | -17 | -6 | 1 | 4 | 4 | 0 | -5 | -14 | -21 |
| Niederschlag mm | 22 | 19 | 29 | 36 | 46 | 65 | 73 | 78 | 72 | 56 | 45 | 30 |
| Anchorage | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Höchstwert °C | -4 | -1 | 2 | 9 | 16 | 20 | 21 | 20 | 15 | 8 | -1 | -3 |
| Tiefstwert °C | -13 | -11 | -9 | -2 | 5 | 10 | 12 | 11 | 6 | -1 | -9 | -12 |
| Niederschlag mm | 53 | 51 | 39 | 38 | 47 | 59 | 83 | 110 | 118 | 87 | 71 | 64 |
Mittlere Tageshöchst- und Tiefstwerte sowie Monatsniederschlag. Temperaturen: Mittel der täglichen Höchst- und Tiefstwerte 2010–2024 der Station LONGYEAR (4 km, 27 m). Niederschlag: NASA POWER, Monatsmittel 2001–2020. Temperaturen: Mittel der täglichen Höchst- und Tiefstwerte 2010–2024 der Station JAKOBSHAVN LUFTHAVN (2 km, 31 m). Niederschlag: NASA POWER, Monatsmittel 2001–2020. Temperaturen: Mittel der täglichen Höchst- und Tiefstwerte 2010–2024 der Station IQALUIT CLIMATE NU (2 km, 34 m). Niederschlag: NASA POWER, Monatsmittel 2001–2020. Temperaturen: Mittel der täglichen Höchst- und Tiefstwerte 2010–2024 der Station MERRILL FIELD AIRPORT (2 km, 38 m). Niederschlag: NASA POWER, Monatsmittel 2001–2020.
Auf Spitzbergen bringt die Mitternachtssonne vom 20. April bis 23. August durchgehend Tageslicht, ideal für Wanderungen, Boots- und Schneemobiltouren. Die dunkelste Zeit, die Polarnacht, dauert vom 26. Oktober bis 15. Februar; die beste Nordlicht-Zeit liegt laut Visit Svalbard zwischen dem 14. November und dem 29. Januar, wenn die Sonne auch tagsüber nicht aufgeht.
Die Nordwestpassage durch die kanadische Arktis ist nur ein kurzes Fenster im Spätsommer schiffbar: Expeditionsanbieter wie Adventure Canada legen die Route jedes Jahr zwischen Ende August und Ende September, wenn das Meereis am weitesten zurückgezogen ist. Ausserhalb dieses Fensters blockiert Packeis die engen Meerengen zwischen den Inseln des Archipels.
In Fairbanks, dem Tor zum arktischen Alaska, zeigt sich das Nordlicht an mehr als 200 Tagen im Jahr, meist zwischen September und April; im Sommer sorgt die Mitternachtssonne am 21. Juni für 21 Stunden 49 Minuten Tageslicht. Wer die Dalton Highway bis Deadhorse fahren will, braucht die schneefreien Monate Juni bis August, da die Schotterpiste im Winter nur mit Spezialausrüstung befahrbar ist.
Quellen: Visit Svalbard · Wikipedia · Wikipedia · Adventure Canada · Wikipedia
Was unterscheidet Spitzbergen, Grönland, die kanadische Arktis und Alaska voneinander?
Spitzbergen ist eine norwegische Inselgruppe ohne eigene Urbevölkerung mit rund 60 % Gletscherfläche, Grönland die grösste Insel der Welt mit grönländisch-inuit Mehrheit, die kanadische Arktis das dünnstbesiedelte Gebiet Nordamerikas mit 84.3 % Inuit-Anteil, und Alaska der einzige der vier Zugänge mit durchgehend befahrbaren Fernstrassen bis zum Arktischen Ozean.
Spitzbergen/Norwegen: Bergbau-Erbe ohne Ureinwohner
Spitzbergen, norwegisch Svalbard, gehört seit dem Svalbard-Vertrag von 1920 vollständig zu Norwegen, liegt aber ausserhalb von Schengen und EWR. Rund 2'500 Menschen leben 2026 auf der Inselgruppe, mehr als 60 % ihrer Fläche ist von Gletschern bedeckt, sieben Nationalparks und 23 Naturreservate schützen zwei Drittel des Archipels. Anders als Grönland oder die kanadische Arktis hat Svalbard keine eigene indigene Bevölkerung: Die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner kamen seit 1899 mit dem Kohlebergbau, dessen letzte norwegische Mine am 30. Juni 2025 schloss.
Grönland: die grösste Insel der Welt, autonom innerhalb Dänemarks
Grönland ist mit 2.17 Mio. km² die grösste Insel der Erde, aber mit rund 56'800 Einwohnern auch eines der am dünnsten besiedelten Länder überhaupt; 81 % der Fläche bedeckt das grönländische Eisschild. Seit der Selbstverwaltung 2009 kontrolliert Grönland Justiz, Polizei und Bodenschätze selbst, Aussenpolitik und Verteidigung bleiben bei Dänemark. Der Ilulissat-Eisfjord, seit 2004 UNESCO-Welterbe, kalbt jährlich rund 20 Mrd. Tonnen Eis vom Gletscher Sermeq Kujalleq – der produktivsten Gletscherzunge der nördlichen Hemisphäre.
Kanadische Arktis: Nunavut und die Nordwestpassage
Die Kanadische Arktis deckt sich weitgehend mit dem Territorium Nunavut, das am 1. April 1999 von den Nordwest-Territorien abgespalten wurde und mit 1.84 Mio. km² und rund 43'000 Einwohnern (2026) eine der niedrigsten Bevölkerungsdichten der Welt hat; 84.3 % der Bevölkerung sind Inuit. Die Region ist untrennbar mit der Nordwestpassage verbunden, die John Franklins Expedition 1845 zum Verhängnis wurde und erst Roald Amundsen 1903 bis 1906 vollständig durchfuhr.
Alaska und Nordkanada: die einzige Route über Land
Alaska ist der einzige Zugang zur Arktis, der sich per Mietwagen erschliessen lässt: Der Dalton Highway führt von Fairbanks 666 km bis Deadhorse am Prudhoe-Bay-Ölfeld, die kanadische Inuvik–Tuktoyaktuk Highway seit dem 15. November 2017 weitere 138 km bis an die Arktisküste der Nordwest-Territorien. Utqiagvik, die nördlichste Stadt der USA, ist dagegen nur per Flug erreichbar und trug bis zur offiziellen Rückbenennung 2016 den Namen Barrow.
Quellen: Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia
Welche Routen verbinden mehrere Arktis-Regionen?
Die vier Zugänge liegen so weit auseinander, dass sich in einer Reise kaum mehr als zwei sinnvoll verbinden lassen. Am direktesten geht das zwischen Grönland und der kanadischen Arktis: Air Greenland fliegt im Sommer saisonal zwischen Nuuk und Iqaluit, die einzige planmässige Direktverbindung zwischen den beiden Regionen.
Grönland und kanadische Arktis: die Nuuk–Iqaluit-Verbindung
Air Greenland fliegt saisonal im Sommer zwischen Nuuk und Iqaluit; die Route ist die einzige planmässige Flugverbindung zwischen Grönland und der kanadischen Arktis und macht eine Kombination beider Regionen ohne Umweg über Kopenhagen oder Ottawa möglich. Ausserhalb dieser Saisonroute führt der Weg über die jeweiligen Hauptstädte in Europa beziehungsweise Kanada.
Spitzbergen und das norwegische Festland
Spitzbergen lässt sich unkompliziert mit einer Reise entlang der norwegischen Küste verbinden, etwa mit Norwegen und Tromsø, von wo SAS täglich nach Longyearbyen fliegt. Diese Kombination eignet sich vor allem für die Nordlicht-Saison, weil beide Ziele zwischen November und Januar dunkle, klare Nächte bieten.
Alaska und Nordkanada als eine Fernstrassen-Reise
Der Dalton Highway ab Fairbanks und die Inuvik–Tuktoyaktuk Highway ab Whitehorse liegen zwar in zwei Ländern, lassen sich aber über den Klondike- und den Dempster Highway zu einer durchgehenden Route verbinden – die einzige der vier Regionen, die sich ganz ohne Flug oder Schiff bereisen lässt, sofern mehrere Tage für die Fahrt auf Schotterpisten eingeplant werden.
Eine Reise, die alle vier Regionen in einem Trip verbindet, bietet kein Anbieter an: Die Distanzen zwischen Longyearbyen, Nuuk, Iqaluit und Fairbanks sind grösser als zwischen vielen Kontinenten.
Wie kommt man in die vier Arktis-Regionen, und welche Drehkreuze gibt es?
Longyearbyen (LYR) erreicht man täglich per SAS-Linienflug ab Oslo oder Tromsø, Nuuk (NUK) und Ilulissat (JAV) über Kopenhagen oder Reykjavík mit Air Greenland und Icelandair. Iqaluit (YFB) in der kanadischen Arktis bedient als einzige Fluggesellschaft Canadian North ab Ottawa, während Fairbanks (FAI) in Alaska über Anchorage an das nordamerikanische Streckennetz angebunden ist.
| Region | Flughafen (IATA) | Anbindung |
|---|---|---|
| Spitzbergen | Longyearbyen (LYR) | täglich SAS ab Oslo (OSL) und Tromsø (TOS) |
| Grönland | Nuuk (NUK), Ilulissat (JAV) | Air Greenland ab Kopenhagen (A330-800, seit November 2024 mit verlängerter Piste), Icelandair ab Reykjavík (KEF) |
| Kanadische Arktis | Iqaluit (YFB) | Canadian North ab Ottawa (YOW), einzige Airline auf dieser Strecke |
| Alaska/Nordkanada | Fairbanks (FAI) | Anschluss an Anchorage (ANC) und das US-Streckennetz; Utqiagvik nur per Kleinflug erreichbar |
Nuuk war bis November 2024 auf die Regionalflughäfen Kangerlussuaq oder Narsarsuaq als Umsteigepunkt angewiesen, weil die Piste in Nuuk selbst nur 950 m lang war; seit der Verlängerung auf 2'200 m landen dort Grossraumflugzeuge direkt aus Kopenhagen. Iqaluit dagegen bleibt ohne Strassenverbindung zu anderen Ortschaften – jede Weiterreise innerhalb der kanadischen Arktis läuft über Canadian North oder ein Charterflugzeug.
Quellen: Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Canadian North · Wikipedia · Wikipedia
Was gilt für Einreise, Visum und Gesundheit in den vier Arktis-Regionen?
Vier Regionen, vier Regime: Spitzbergen ist visumfrei, doch für den Transit über das norwegische Festland gilt Schengen-Recht; Grönland ist visumfrei, aber kein Schengen-Gebiet; Kanada verlangt für den Flug eine eTA für 7 CAD; die USA verlangen für Alaska ein ESTA für rund 40 US-Dollar, gültig bis zu zwei Jahren. Gesundheitlich steht in allen vier Regionen Kälteschutz vor Impfungen im Vordergrund.
Auf Spitzbergen gilt der Svalbard-Vertrag von 1920: Alle Staatsangehörigen der Vertragsstaaten reisen ohne Visum ein, doch weil die Insel ausserhalb des Schengen-Raums liegt, braucht es für die Zwischenlandung auf dem norwegischen Festland laut Sysselmesteren ein Doppeleinreise-Visum, falls sonst ein Schengen-Visum nötig ist. Grönland ist ebenfalls visumfrei für Schweizer, deutsche und österreichische Reisepässe, gilt aber – anders als das übrige Königreich Dänemark – nicht als Schengen-Gebiet; ein Schengen-Visum für Dänemark berechtigt nicht automatisch zur Einreise nach Grönland.
Für die kanadische Arktis reicht bei der Einreise per Flug die elektronische Reisegenehmigung eTA für 7 kanadische Dollar, gültig bis zu fünf Jahre; Reisedokumente müssen laut Auswärtigem Amt für die gesamte Aufenthaltsdauer gültig sein. Für Alaska als Teil der USA gilt das Visa Waiver Program: Das ESTA kostet rund 40 US-Dollar, ist bis zu zwei Jahre gültig und erlaubt einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen; es muss spätestens 72 Stunden vor Abflug beantragt werden.
Gesundheitlich ist in keiner der vier Regionen eine Pflichtimpfung vorgeschrieben; wichtiger als Impfschutz ist der Schutz vor Kälte, Sonnenblendung auf Schnee und – auf Spitzbergen sowie in der kanadischen Arktis – vor Eisbären. Ausserhalb der Siedlungen auf Svalbard ist laut Visit Svalbard ein bewaffneter Guide oder eine geführte Tour praktisch obligatorisch; die medizinische Versorgung ist in allen vier Regionen auf die jeweilige Hauptstadt konzentriert, schwere Fälle werden ausgeflogen.
Massgeblich für Schweizer, deutsche und österreichische Reisende sind stets die amtlichen Stellen: EDA, Auswärtiges Amt und BMEIA für Norwegen, Dänemark, Kanada und die USA; für andere Staatsangehörigkeiten gelten eigene Regeln.
Quellen: Governor of Svalbard (Sysselmesteren) · Visit Greenland · Government of Canada · Auswärtiges Amt · Wikipedia · Visit Svalbard
Was kostet eine Reise in die Arktis?
Am günstigsten ist Spitzbergen mit Tagestouren ab Longyearbyen, am teuersten die Nordwestpassage: Adventure Canada verlangt für die 17-tägige Route 2026 zwischen 18'495 und 36'495 US-Dollar pro Person in der Doppelkabine. Alle vier Regionen rechnen ausschliesslich in ihrer jeweiligen Landeswährung: norwegische Kronen, dänische Kronen, kanadische und US-Dollar.
| Region | Währung |
|---|---|
| Spitzbergen | Norwegische Krone (NOK), kein Bankomat vor Ort |
| Grönland | Dänische Krone (DKK) |
| Kanadische Arktis | Kanadischer Dollar (CAD) |
| Alaska/Nordkanada | US-Dollar (USD) |
Die Nordwestpassage ist die teuerste der vier Routen: Adventure Canada verlangt für die 17-tägige Reise 2026 zwischen 18'495 und 36'495 US-Dollar pro Person je nach Kabine, Quark Expeditions bietet mit dem Schiff Ultramarine eine vergleichbare Route auf den Spuren der Franklin-Expedition an. Ursache sind die kurze Saison, die eisgängige Schiffsklasse und die aufwendige Logistik für jede einzelne Landung.
Spitzbergen und Alaska sind günstiger zu bereisen, weil dort auch Tagestouren, Mietwagen und reguläre Linienflüge möglich sind statt einer mehrtägigen Schiffsreise. Grönland liegt preislich dazwischen: Bootsausflüge zum Ilulissat-Eisfjord sind für Einzelreisende zugänglich, mehrtägige Expeditionsschiffe entlang der Küste kosten ähnlich viel wie in der kanadischen Arktis.
Kartenzahlung ist in allen vier Regionen in Hotels und grösseren Läden verbreitet; auf Spitzbergen gibt es laut Visit Svalbard weder Bankomaten noch Bankfilialen, Bargeld muss vor der Anreise auf dem norwegischen Festland abgehoben werden.
Quellen: Adventure Canada · Quark Expeditions · Visit Svalbard
Welche Kultur prägt die vier Arktis-Regionen?
Drei der vier Regionen sind indigen geprägt: Grönland zu 89.5 % von Kalaallit, die kanadische Arktis zu 84.3 % von Inuit, Alaska und Nordkanada von Iñupiat und Inuvialuit. Nur Spitzbergen hat keine eigene Urbevölkerung, dafür mit der Vereinigung arktischer Expeditionsreeder AECO ein gemeinsames Regelwerk, das auch für Grönland gilt.
Indigene Völker: Kalaallit, Inuit und Iñupiat
In Grönland sprechen fast 90 % der Bevölkerung Grönländisch als Muttersprache, seit 2009 die einzige Amtssprache des Landes. In der kanadischen Arktis ist Inuktitut neben Englisch und Französisch Amtssprache von Nunavut, das seit 1999 als einziges kanadisches Territorium eine konsensbasierte Regierung ohne Parteien hat. In Alaska sind die Iñupiat um Utqiagvik seit über 1'500 Jahren ansässig; ihre Walfangkultur prägt bis heute Feste und Ernährung.
AECO: gemeinsamer Verhaltenskodex für Spitzbergen und Grönland
Die Association of Arctic Expedition Cruise Operators (AECO) legt für ihre Mitglieder verbindliche Regeln fest, die für Spitzbergen und Grönland gelten, nicht aber für die kanadische Arktis: mindestens 500 m Abstand zu Eisbären, ein Landungslimit von 200 Personen gleichzeitig in Nationalparks und ein Verbot von Drohnen in Schutzgebieten. Für die kanadische Arktis gelten stattdessen die Transport-Canada-Richtlinien TP 13670, die unter anderem eine Voranmeldung 96 Stunden vor Einlaufen in kanadische Gewässer verlangen.
Geschichte der Nordwestpassage
Kein Ereignis prägt die kanadische Arktis kulturell so stark wie die gescheiterte Franklin-Expedition von 1845: Alle 129 Mann der Schiffe HMS Erebus und HMS Terror kamen um, drei Gräber auf Beechey Island erinnern seit 1854 daran, die Wracks wurden erst 2014 und 2016 gefunden. Erst der Norweger Roald Amundsen durchfuhr die Passage 1903 bis 1906 vollständig; seither ist sie auch ein Bezugspunkt norwegischer Polargeschichte, die Spitzbergen und die kanadische Arktis kulturell verbindet.
Quellen: Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia · Transport Canada · Wikipedia · Wikipedia · Wikipedia