Was bietet Kyushu und wie viel Zeit braucht die Insel?
Kyushu ist die südlichste der vier grossen Inseln Japans: 36’782 km² gross, mit 12,4 Millionen Einwohnern. Fukuoka, Nagasaki, Kumamoto und Kagoshima liegen an einer Bahnachse, dazu kommen aktive Vulkane und Onsen. Für den Kern der Insel sind fünf bis sieben Tage sinnvoll.
Die Insel gliedert sich in sieben Präfekturen: Fukuoka, Saga, Nagasaki, Kumamoto, Oita, Miyazaki und Kagoshima.
Wer nur Fukuoka und Nagasaki besucht, kommt mit drei bis vier Tagen aus. Mit Kumamoto, dem Vulkan Aso und Kagoshima werden es eher sechs bis sieben Tage; Beppu und Yakushima brauchen jeweils einen eigenen Abschnitt. Kyushu eignet sich als Ergänzung zur Route Tokio–Kyoto–Osaka ebenso wie als eigenständige Reise.
Wie ist Kyushu geprägt?
Kyushu war über Jahrhunderte Japans Tor zu Korea, China und Europa. Der Hafen Nagasaki blieb in der Abschottungszeit der einzige Handelsplatz mit dem Westen, Kagoshima war Machtbasis des Shimazu-Clans. Heute prägen Vulkane, Thermalquellen und eine eigene Küche das Bild.
Aus Kagoshima und der früheren Provinz Satsuma stammten viele Führungsfiguren der Meiji-Restauration.
Im Norden liegen dichte Stadträume, in der Mitte die Caldera des Aso, im Süden subtropische Teile mit starkem Regen und Taifunen.
Welche Orte auf Kyushu lohnen sich?
Fukuoka (FUK) ist Drehkreuz mit dem Ramen-Viertel Hakata, Nagasaki trägt die Geschichte der Atombombe und der christlichen Mission, Kumamoto und der Aso bilden die Vulkanmitte, Kagoshima liegt vor dem Sakurajima. Beppu und Yufuin sind die bekanntesten Onsen-Orte.
Fukuoka und Hakata
Fukuoka besteht aus dem alten Hafen- und Kaufmannsviertel Hakata und dem früheren Samuraiviertel Tenjin, das heute als Einkaufsviertel dient. Der Flughafen liegt rund 3 km östlich des Bahnhofs Hakata, die Subway braucht ins Zentrum etwa zehn Minuten. Auf den Strassen von Tenjin und Nakasu stehen am Abend Yatai genannte Imbissstände; als Spezialitäten gelten Tonkotsu-Ramen und Mentaiko (scharfer Dorschrogen). Das Fest Hakata Gion Yamakasa findet im Juli statt und gilt als ältestes der Stadt.
Nagasaki
Nagasaki hat rund 392’000 Einwohner. Am 9. August 1945 wurde die Stadt Ziel des zweiten Atombombenabwurfs; im Friedenspark im Stadtteil Urakami markiert ein schwarzer Monolith das Hypozentrum. Das Atombombenmuseum kostet 200 Yen Eintritt und ist von 8:30 bis 18:30 Uhr geöffnet, von September bis April bis 17:30 Uhr (Stand Oktober 2026). Mit der Strassenbahn fährt man vom Bahnhof in rund zehn Minuten zum Park.
Daneben stehen Dejima, die frühere künstliche Handelsinsel, und der Glover Garden mit historischen Residenzen von Ausländern.
Kumamoto und der Aso
Kumamoto hat rund 738’000 Einwohner. Die Burg liess Kato Kiyomasa Ende der 1580er Jahre bauen; der Hauptturm ist ein Betonbau aus den 1970er Jahren, einzelne hölzerne Nebengebäude sind original. Rund 3 km südöstlich liegt der Garten Suizenji. Östlich der Stadt erstreckt sich die Caldera des Aso mit etwa 18 km von Ost nach West und 25 km von Nord nach Süd. Die Höhe des höchsten Gipfels Takadake wird mit 1’592 m angegeben, die Kyushu-Seite nennt 1’591 m.
Kagoshima und Sakurajima
Kagoshima hat rund 584’000 Einwohner und wird wegen Bucht, Klima und Vulkan «Neapel des Ostens» genannt. Der Sakurajima liegt nur 4 km über die Bucht entfernt, erreicht 1’117 m und streut regelmässig Asche über die Stadt. Die Fähre braucht 15 Minuten und kostet 160 Yen (Stand Oktober 2026). Der Garten Sengan-en war die Villa der Shimazu.
Beppu und Yufuin
Beppu hat rund 113’000 Einwohner, acht Thermalgebiete und über 150 Badeeinrichtungen. Die sieben «Höllen» (Jigoku) sind zum Anschauen gedacht, nicht zum Baden; fünf davon liegen im Viertel Kannawa nah beieinander. Das ruhigere Yufuin liegt unterhalb des zweigipfligen Berges Yufu, der sich in etwa 90 Minuten besteigen lässt.
Quellen: Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Japan Guide · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Japan Guide · Wikipedia (en) · Wikipedia (en)
Wann ist die beste Reisezeit für Kyushu?
Am angenehmsten sind April und Mai (Kirschblüte, mild) sowie Oktober und November (trocken, Herbstlaub). Die Regenzeit beginnt Anfang Juni, Juli und August sind heiss und feucht, der Höhepunkt der Taifune liegt im August und September.
Die Regenzeit (Tsuyu) beginnt auf Kyushu im Juni und endet meist in der ersten Julihälfte. Taifune treffen Okinawa, Kyushu und Shikoku am häufigsten und bringen für etwa zwei Tage Starkregen und Wind; danach folgt oft gutes Wetter. Der Dezember bis Februar ist relativ trocken und milder als im Norden Japans.
Für Nagasaki-Ausflüge zur Insel Hashima gilt: Landungen sind wegen des Seegangs nur an weniger als 160 Tagen im Jahr möglich. Yakushima gehört mit 4’000 bis 10’000 mm Niederschlag im Jahr zu den nassesten Orten Japans und ist praktisch ganzjährig nass; Regenkleidung gehört ins Gepäck.
Quellen: Japan Guide · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Auswärtiges Amt
Was gilt für die Einreise nach Kyushu?
Für Kyushu gelten dieselben Regeln wie für ganz Japan; regionale Genehmigungen sind für die üblichen Ziele nicht nötig. Deutsche und Österreicher können laut Auswärtigem Amt und BMEIA bis zu 90 Tage visumfrei einreisen.
Passgültigkeit, Einreiseformalitäten und Regeln für Schweizer stehen bei den amtlichen Stellen (EDA, Auswärtiges Amt, BMEIA) und auf der Landesseite Japan. Für andere Staatsangehörigkeiten gelten eigene Regeln; Auskunft geben Botschaft oder Einwanderungsbehörde. Die amtlichen Stellen sind massgeblich.
Quellen: Auswärtiges Amt · BMEIA · EDA
Welche Gesundheitsrisiken gibt es auf Kyushu?
Das Risiko ist gering. Japanische Enzephalitis kommt nur selten vor, healthytravel.ch rät zur Impfung bei längerem Aufenthalt auf dem Land, etwa nahe Reisfeldern. Gute Mückenabwehr in den Sommerabenden genügt für die meisten Reisen.
Hitze und Feuchte im Juli und August belasten, ebenso Vulkangase in der Nähe aktiver Krater; wer Atemprobleme hat, hält sich an die Absperrungen. Impfungen und Medikamente mit der Reisemedizin abklären.
Quellen: healthytravel.ch · Japan Guide
Wie sicher ist Kyushu?
Die Kriminalitätsrate ist laut Auswärtigem Amt niedrig; Taschendiebstahl und Betrug kommen in Touristenvierteln grosser Städte vor. Die Risiken sind natürlich: Erdbeben, Vulkane und Taifune. Das Auswärtige Amt nennt Sakurajima, Kuchinoerabu, Iojima, Aso und Suwanosejima als Vulkane mit erhöhter Überwachung und teils gesperrten Zonen.
Taifune treffen Süd- und Westjapan im Spätsommer mit Wind, Überschwemmungen und Erdrutschen; Fähren und Flüge fallen dann aus. Aktuelle Lage bei EDA, Auswärtigem Amt und BMEIA prüfen, Absperrungen an Kratern strikt beachten.
Quellen: Auswärtiges Amt · BMEIA · EDA
Wie reist man nach Kyushu an?
Hauptflughafen ist Fukuoka (FUK) mit Verbindungen nach Seoul-Incheon, Busan, Taipeh, Shanghai, Bangkok und Singapur; 2024 zählte er 26,8 Millionen Fluggäste. Weitere Flughäfen: Kagoshima, Nagasaki, Kumamoto, Oita, Miyazaki. Zwischen den Städten verkehrt der Shinkansen.
Von Hakata fährt der Kyushu-Shinkansen nach Kumamoto und Kagoshima-Chuo, 256.8 km mit zwölf Stationen. Für Hakata–Kagoshima nennt Wikipedia rund 1 h 19 min (Angabe von 2011); aktuellen Fahrplan prüfen. Nach Nagasaki fährt der Kamome: Der Abschnitt Takeo-Onsen–Nagasaki ist seit dem 23. September 2022 als Shinkansen offen und verkürzt die Fahrt von Hakata von rund zwei Stunden auf etwa 90 Minuten.
Für die Fahrt nach Kagoshima-Stadt vom Flughafen rechnet man mit 40 bis 60 Minuten Bus für 1’500 Yen (Stand Oktober 2026).
Quellen: Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Japan Guide
Was kostet eine Reise nach Kyushu und wie bezahlt man?
Bezahlt wird in Yen. Der JR Kyushu Rail Pass für Ausländer kostet für ganz Kyushu 22’000 Yen (3 Tage), 24’000 (5 Tage) oder 26’000 Yen (7 Tage), Nordkyushu ab 15’000 Yen (Stand Oktober 2026). In Kagoshima kostet eine Tramfahrt 170 Yen.
Der Pass ist nur mit Reisepass und Touristenstatus erhältlich; Kinder von 6 bis 11 Jahren zahlen die Hälfte. Der Cute Pass für Kagoshima gilt für Tram und Busse und kostet 1’300 Yen (1 Tag) beziehungsweise 1’900 Yen (2 Tage).
Quellen: JR Kyushu · Japan Guide
Wo übernachtet man auf Kyushu?
In Fukuoka lohnt sich ein Hotel bei Hakata oder Tenjin wegen Subway und Shinkansen. In Beppu, Yufuin und im Aso-Gebiet sind Ryokan mit Onsen die klassische Wahl; in Nagasaki wohnt man nahe Bahnhof oder Hafen.
Viele Ryokan erlauben das Bad nur Übernachtungsgästen, einige Orte bieten Tagesbäder. Yufuin lebt vor allem vom Tourismus.
Was isst man auf Kyushu?
Fukuoka steht für Tonkotsu-Ramen und Mentaiko, Kagoshima für Kagoshima-Ramen und Sakurajima-Daikon, den grossen Rettich. Die Yatai-Stände stehen in Tenjin und Nakasu.
Das Laternenfest von Nagasaki dauert die ersten 15 Tage nach chinesischem Neujahr. In Kannawa in Beppu gibt es Dampfküche und das Hyotan-Sandbad.
Welche Traditionen und Besonderheiten prägen Kyushu?
Kultur und Religion der Insel sind von Austausch geprägt. Die christliche Mission begann 1549, das Verbot und die Abschottung dauerten über zwei Jahrhunderte; zwölf Stätten der verborgenen Christen sind seit 2018 UNESCO-Welterbe.
Das Christentum kam 1549 mit Franz Xaver. Nach dem Aufstand von Shimabara 1637 bis 1638 wurde es verboten. Die Oura-Kirche von 1864 gilt als erste nach der Öffnung gebaute Kirche. Fukuoka feiert im Juli das Fest Yamakasa. In Takachiho, wo laut Mythos die Sonnengöttin Amaterasu sich in einer Höhle verbarg, finden Schreintänze statt.
Beim Onsen wäscht man sich vor dem Bad gründlich, das kleine Tuch bleibt ausserhalb des Wassers, Badekleidung ist im traditionellen Bad nicht üblich, und die Becken sind nach Geschlechtern getrennt. Etwa die Hälfte der Betriebe schloss Tätowierte früher aus; heute weisen mehr als 30 Prozent der Betreiber sie nicht ab. Frag im Zweifel vorher nach.
Quellen: Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en)
Was kann man auf Kyushu unternehmen?
Vulkane, Onsen, Gedenkstätten und Naturreservate: der Aso, der Sakurajima, die Jigoku von Beppu, der Friedenspark von Nagasaki, der Wald von Yakushima. Die Ausflüge lassen sich meist mit Zug und Bus erreichen.
Vulkane und Hochebenen
Am Aso fährt ein Shuttlebus bis zum Kraterrand, soweit der Zugang offen ist; Gaslage und Aktivität bestimmen, ob der Krater betreten werden darf. Der Nationalpark Kirishima-Kinkowan umfasst 365.86 km² mit Vulkanen, Kraterseen und Onsen.
Natur und Insel
Yakushima ist 504.88 km² gross, der höchste Gipfel Miyanoura-dake misst 1’936 m, UNESCO-Welterbe seit 1993. Der Jomon Sugi, eine Zeder, ist mindestens 2’300 Jahre alt. Von Kagoshima fährt das Tragflügelboot in etwa 50 Minuten.
Takachiho und Gedenkstätten
Die Schlucht von Takachiho liegt im Gebirge am Fluss Gokase. Die Insel Hashima (Gunkanjima), rund 15 km von Nagasaki, war bis 1974 Kohlebergwerk und ist seit 2015 Welterbe; die Besucher dürfen nur einen kleinen Teil betreten.
Quellen: Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en)
Wie reist man auf Kyushu nachhaltig?
Der Shinkansen ersetzt Inlandflüge zwischen Fukuoka, Kumamoto, Nagasaki und Kagoshima. In Onsen-Orten zahlen sich Übernachtungen statt Tagesausflüge für die Orte aus.
Auf Yakushima und in Vulkangebieten bleibt man auf den Wegen; Hashima und viele Orte der Gedenkkultur verlangen respektvolles Verhalten. Beim Onsen gelten feste Regeln, siehe unten.
Quellen: Wikipedia (en) · Wikipedia (en) · Wikipedia (en)
Wie lässt sich Kyushu kombinieren?
Kyushu passt zu Hiroshima und Miyajima, zu Osaka und Kyoto sowie zu Okinawa. Fukuoka liegt rund 180 km Fährstrecke von Busan entfernt und wird deshalb oft mit Südkorea verbunden.
Der Kyushu-Shinkansen bietet seit 2011 Durchfahrten Richtung Shin-Osaka.
Für wen eignet sich Kyushu, für wen weniger?
Gut für alle, die Onsen, Vulkane, Geschichte und Essen suchen und etwas Zeit mitbringen. Weniger gut für alle, die nur Tempel- und Altstadtkulisse wie in Kyoto erwarten.
Wer in Juli bis September reist, muss mit Hitze, Regen und Taifunen rechnen. Bei Onsen braucht es Bereitschaft zum Nacktbaden in getrennten Bädern; Tätowierungen sind in manchen Betrieben nicht erlaubt.